Opas Brause

Sie setzte die Fingerspitzen in den Raum zwischen zwei Dornen, drückte die Ranke zur Seite. Ein anderer Zweig des Rosengewächses schnellte hervor. Harte Stacheln krallten sich in die Haut, sobald die Finger sich der schwarzen Frucht näherten. Der Bewuchs der Pflanze diente der erfolgreichen Selbstverteidigung, erschwerte die Ernte. Das Kind biss auf die Zähne, stellte sich die Belohnung vor, die ihm, für ein mit Brombeeren gefülltes Eimerchen, in Aussicht gestellt worden war. Zuhause löste der Großvater das Eimerchen, das an einem Gürtel vor dem Bauch hing. „Das gibt neuen Sirup und Gelee mit dem, was deine Mutter gepflückt hat“, sagte er und strich dem Kind anerkennend durch die Locken.  Pinkfarbener Schaum klebte dem Kind an der Oberlippe. Begierig hatte es Opas Brause aus gekühltem Sprudel und Vorjahressirup getrunken.

Schnipsel einer Erinnerung an eine Kindheit in den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts.

© Petra Jakoby, ohne KI, 06.08.2023, artepj@web.de

Brombeeren