Frohe Ostern

und eine gute Zeit wünsche ich den Menschen, die diesen Blog besuchen. Hoffentlich sind ein paar Besucherinnen und Besucher menschlich und erfreuen sich an den Beiträgen, zeigen echte Emotionen, was Bots, Algorithmen und KI Chats noch nicht können.

Gruppentherapie oder Frühlingsgefühle (c) Petra Jakoby, artepj@web.de

Vögel sitzen auf den Zweigen einer birkenartigen Baumfläche unter einem klaren blauen Himmel.

Der Glücksfall

Wie betäubt stand sie in der Diele. In einer Mischung von Grün und Blau, deutlicher als an anderen Tagen, zog sich ein Netz von Blutgefäßen über die bleiche Haut ihrer Handrücken. Die Hände zitterten, hielten das Schreiben, aus dem hastig aufgerissenen Umschlag, mit Mühe. Kündigung in fetten Buchstaben sprang das Wort ihr ins Auge. Einige Zeilen weiter das Datum. In zehn Monaten musste sie ein neues Zuhause gefunden haben.

 Die Beletage verlassen? Nach fünfundfünfzig Jahren, drei Monaten und achtundzwanzig Tagen? Wie finde ich in meinem Wohnviertel eine kleinere Unterkunft, für die meine Rente reicht? Kinder schaukelten, ein Mann mähte Rasen, eine Frau schnitt Rosen, ein anderer Mann hing Wäsche auf die Leinen der Wäschespinne. Am Horizont hob sich die dunkle Linie des Stadtwaldes vom blassblauen Himmel ab. Diesen Blick aus dem Wohnzimmerfenster würde sie bald nicht mehr haben. War sie voreilig gewesen, den Hausbesitzern zu erzählen, dass ihr die Wohnung über den Kopf gewachsen war? Lange Spalten in der regionalen Tageszeitung mit Angeboten zu freien Wohnungen gab es seit Jahren nicht mehr. Computer und Internet kamen in ihrem Erwerbsleben nicht vor. Im Rentenalter hatte sie kein Interesse verspürt, sich mit dieser Technik zu beschäftigen. Mit ihren neunzig Lebensjahren konnte sie nicht darauf vertrauen, dass mit der Tippelei in so eine Maschine Wohnungen zu finden waren. Ich mache, was ich bei Problemen immer mache. Die Schuhe mit den Pfennigabsätzen rückte sie unter dem Stuhl nebeneinander. Über den Sitz breitete sie den grauen Faltenrock und legte den kanariengelben Angorapullover darüber. Sie strich über die weiche Wolle, bevor sie das seidene Nickituch entfaltete.

Die Nachbarn ärgerten sich über die Frau, sie habe die Kündigung aller Mietverträge verursacht. Das Paar aus dem Dachgeschoss sah sich gezwungen, die geplante Urlaubsreise zu stornieren. Das Reisegeld brauchten sie für die Renovierung der Wohnung und die Kaution einer neuen Unterkunft. Im Erdgeschoss waren die erwachsenen Kinder ausgezogen. Die Eltern hatten die abgewohnten Räume komplett tapeziert, gestrichen und neue Möbel aufgestellt.

Die alte Frau verließ die Beletage nur, wenn die Nachbarn zur Arbeit gefahren waren. Wenige Tage vor Beginn der Osterwoche wurden Möbel und Kisten aus ihrer Wohnung getragen.

«Die Vermieter haben für mich ein Apartment in der Seniorenresidenz des Wohnviertels gefunden. So ein Glücksfall, noch dazu vor Ostern», schwärmte die Frau beim Einkauf.

© Petra Jakoby, 31.03.2026, ohne KI, artepj@web.de

Frühling wird es bald.

Der Morgen ist jung. Das Dickicht aus Brombeersträuchern liegt in völliger Dunkelheit. Die Straßenbeleuchtung ist defekt. Ich halte inne, horche, weite die Nasenflügel. Riecht es nach Maggi, brummen Wildschweine im Gestrüpp? Nein! Beherzt gehe ich mit langen Schritten weiter.

Unerwartet ertönt der melodische Gesang einer Amsel. Wie von einer meisterhaft gespielten Flöte berühren mich die klaren Töne. Mit den Augen suche ich die Zweige der Bäume ab. Der Sänger bleibt verborgen. Das Männchen trillert und zwitschert, stimmt eine neue Melodie an. Kein Weibchen antwortet.

Der morgendliche Weckruf der Hähne aus den Schrebergärten bleibt aus. Lauschen sie dem Balzgesang der Amsel?

© Petra Jakoby, 18.02.2026, ohne KI, artepj@web.de

Eine asphaltierte Straße mit einer Reihe von gefrorenen Wasserpfützen, die wie Fußabdrücke angeordnet sind.

Noch ist Winter. (c) Petra Jakoby, 18.02.2026, ohne KI, artepj@web.de

Winter ist, wenn…

wenn man am Barbaratag, dem vierten Dezember, im Garten Zweige von Obstbäumen schneidet und sie in der warmen Wohnung in einer Blumenvase aufstellt. An Weihnachten erfreuen sie die Betrachtenden mit ihren zarten Blüten und an Neujahr mit grünen Blättchen.

© Petra Jakoby, 05.01.2026, ohne KI, artepj@web.de

Happy new year

Ich wünsche allen, die diesen Blog besuchen, ein gesundes, glückliches Jahr 2026 mit Erlebnissen, die ein Gefühl von einem erfüllten und zufriedenen Leben bewirken.

Um es mit Hermann Hesse zu sagen, „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“

Mögen wir unseren Blickwinkel weiten, um dies zu erkennen und unsere Herzen öffnen, um die Freude wahrzunehmen.

(c) Petra Jakoby, 02.01.2026, ohne KI, artepj@web.de

Mit Siebzig was Neues

«Avril hatte mir eine Liste mit Schutzmaßnahmen erstellt, die ich in Gedanken durchging. Ich holte Luft, atmete langsam aus, zog das Visier des Gesichtschutzes nach unten, legte mit beiden Händen die Maschine an, und drückte mit der rechten den roten Knopf und gleichzeitig den Sicherungshebel. Meine Hand zitterte leicht. Langsam fraß sich das Sägeblatt durch die schwarze Rinde, glitt durch den weißen Kern des Astes. Sägespäne, Stückchen und Röllchen, prasselten gegen das Plexiglas vor meinem Gesicht.» Rita lächelt vor sich hin, bis sie die atemlose Stille wahrnimmt und in die Runde der Freundinnen schaut. «Was ist los mit euch, warum starrt ihr mich so an?»

«Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Du erzählst uns, dass du einen Ast abgesägt hast, als wäre das etwas völlig Ungewöhnliches. Dafür hast du unsere Treffen abgesagt?» Jutta schüttelt den Kopf.

«Und keine Geschichten mehr geschrieben, keine Skizzen mehr gezeichnet, keine Fotos mehr in deinem Blog eingestellt», wirft ihr Dörte vor.

Mit gespitzten Lippen mokiert sich Ulrike, «das war doch sicher nicht nur ein Ast?»

«Nein, das war ein drei Meter hoher Kirschlorbeer und einige Fliederbäume. Für mich war das eine große Sache. Ich habe an einem Tag zwei Stunden im Garten gearbeitet. Danach brauchte ich manuelle Krankengymnastik und zehn Tage, um neue Kräfte zu schöpfen, bevor ich wieder im Garten arbeiten konnte», verteidigt sich Rita.

«Warum hast du keine Gärtner beauftragt?»

«Ach Dörte, ich habe ein Angebot vom Gärtner eingeholt. Die Zahlen waren niederschmetternd.»

«Aber deine Enkelin, die Avril, die hätte das doch machen können oder deine Tochter, die Auguste. Du mit einer Kettensäge, wie Elon Musk und der argentinische Präsident Javier Milei sie bei ihren Wahlkämpfen geschwungen haben? Das kann ich mir nicht vorstellen. Du wiegst nicht viel mehr als die Maschine», sagt Jutta.

«Auguste hat es im Kreuz. Avril hat einen großen Auftrag in Frankreich, sie ist eine gefragte Restauratorin, da sie sich auf Metall spezialisiert hat. Bevor sie abgereist ist, hat sie…»

Ulrike unterbricht Rita mit erhobener Stimme, «hat sie dich mit der Kettensäge von deinem verstorbenen Max im Sommerkleid und mit Sandalen an den Füßen im Garten erwischt», triumphiert sie.

«Du hast mich mit ihr im Garten heimlich beobachtet?», stößt Rita zornig aus.

 Ulrike schneidet eine Grimasse, «also entschuldige, ich wollte dich besuchen und hatte schon den Griff der Gartentüre runtergedrückt. Dann habe ich euere zänkische Schreierei gehört und gesehen, wie Avril dir dieses rostige Ungetüm aus den Händen gewunden hat. Da wollte ich nicht stören.»

«Ich fasse es nicht, was bist du denn für eine Freundin?», stößt Rita hervor.

Jutta wedelt mit nach unten gedrehten Handflächen, «Schschsch, schschscht. Mädchen, beruhigt euch. Dieser Spätsommernachmittag, bei Rita unterm Ahorn mit Kaffee und Apfelkuchen, ist viel zu schön für diesen kindischen Streit. Ohne den riesigen Kirschlorbeer und die verkahlten Fliederbäume ist der Garten viel größer und sonniger. Respekt Rita.»

Rita löffelt sich eine Portion Sahne auf den Apfelkuchen.  «In diesem Sommer habe ich meine Angst vor Maschinen und großen Bäumen überwunden. Avril hatte mir die kleinste Kettensäge, die auf dem Markt ist, mit einer kompletten Schutzausrüstung von Kopf bis Fuß in meiner Konfektionsgröße besorgt. Sie hatte mir genau erklärt, was ich tun muss und welche Videos zu Baumfällarbeiten ich anschauen sollte. Letztes Wochenende war sie mit Auguste zu Besuch. Zum Abschied umarmte sie mich, <Omiri, ich bin so beeindruckt. Du bist der lebende Beweis, dass man mit Siebzig nicht auf den Tod wartet, sondern immer noch etwas Neues lernen und vollbringen kann>.»

© Petra Jakoby, 14.09.2025, ohne KI, artepj@web.de

Der Geruch von Regen

Die Amsel im Geäst schaut mir direkt in die Augen, sperrt den Schnabel auf und lässt ihren klagenden Schrei ertönen. Ihr Körper ist schmal. Sie ist jung, hungrig, durstig oder beides. Ich schaue mich im Park um. Die Wasserschalen, die Anlieger auf der Wiese verteilt haben, sind trocken, die Regenwürmer tief in der Erde vergraben. Ich habe kein Wasser bei mir, ihren Durst zu löschen und kein Futter, ihren Hunger zu stillen. In bedrückter Stimmung gehe ich weiter.

Wassersäcke, am Fuß junger Bäume, sollen sie vor dem Verdorren bewahren. Die Blätter der alten Kastanien sind braun, fallen ab, obwohl der Sommer nicht vorbei ist.

Die aufgeworfenen Wegränder und Wiesen im Park tragen Spuren der Wildschweine. Mühelos springen sie, über Metallabgrenzungen oder rammen Holzzäune angrenzender Vorgärten nieder. Auf der Suche nach Blumenzwiebeln, Wurzeln und Würmern verrücken sie kiloschwere Steine, buddeln Sträucher aus, reißen Blumen aus den Rabatten, werfen Mülltonnen um. Der Unrat verteilt sich über Gehwege und Straßen. Der Anblick von Menschen treibt sie nicht zur Flucht. Eltern begleiten ihre Kinder in die nahe Schule.

Die Tagestemperaturen sind bis zu 39° Celsius angestiegen. Zum ersten Mal, seit ich auf die vergangenen Sommer zurückblicke, sehne ich mich nach dem Geruch von Regen, wünsche mir Quellwolken am Himmel, der seit Wochen mittelmeerblau ist.

© Petra Jakoby, ohne KI, 31.08.2025, artep@web.de

Frühling ist, wenn …

… sich beim Spaziergang die Augen mit Tränen füllen,

… sich in weithin hörbarer Frequenz explosionsartig Nießanfälle entladen,

… die Pracht der Blüten an Sträuchern und Bäumen, den Körper mit Botenstoffen überschwemmen,

… beschwingt durch Frühlingsgefühle Unbekannte freundlich lächelnd gegrüßt werden.

© Petra Jakoby, 22.05.2025, ohne KI, artepj@web.de