Mädels, achtet auf euch!

«Jutta, ist was passiert, du wirkst so bedrückt?» Dörte, Rita und Ulrike schauen die Freundin aufmerksam an.

«Nee.» Jutta seufzt, «Doch. Meine Frauenärztin hat gemeint, dass sie beim Brustultraschall nicht genug sieht. Sie hat mir eine Überweisung zur Mammografie gegeben.»

Dörte stellt ihr Glas ab, «das ist doch gut, die Ärztin ist gewissenhaft.»

«Ich kann Jutta verstehen. Ich gehe auch nicht gerne zur Mammografie. Das tut weh, wenn die Brust zwischen die kalten Platten gepresst wird», sagt Ulrike, «außerdem steht man wochenlang unter Spannung, bis der Brief mit dem Ergebnis kommt.»

Jutta schiebt ihr Besteck neben dem Teller hin- und her, «was ist, wenn Brustkrebs festgestellt wird? Dann steht mein Leben auf dem Kopf.»

«Dann wirst du medizinisch behandelt und hast die Chance gesund zu werden. Und wir sind für dich da.», sagt Rita. Sie drückt den Rücken durch und hebt die Stimme, «ich habe euch zu Giulia und Sandro, meinem Lieblingsitaliener eingeladen, weil ich mit euch feiern möchte.»

Dörte wirft Rita mit zusammengezogenen Augenbrauen einen Blick zu. Ulrike schüttelt den Kopf. «Also Rita, du hast Nerven. Wir versuchen Jutta aufzubauen, und du wechselst das Thema, willst mit uns feiern.»

«Mädels, beruhigt euch. Ich bin beim Thema. Anfang der Woche hatte ich auf Betreiben meiner Ärztin eine Mammografie. Ich hatte so viel Angst, dass ich Verdauungsstörungen hatte, weil ich zu dieser Untersuchung zuletzt vor drei Jahren war.»

Jutta beugt sich vor, «erzähl mal, wie war’s?»

«Im Wartebereich konnte ich mich vor lauter Aufregung nicht setzen. Die Aussagen meiner früheren Ärztin über eine Kalkbrust und die Implosion der Brust beherrschten meine Gedanken, und dass es dieses Mal noch schlimmer ausgehen könnte. Dann war ich sehr überrascht, die Röntgenaufnahmen waren in ein paar Minuten gemacht, ohne Schmerz. Den Druck konnte ich aushalten.»

«Und was gibt es daran zu feiern?», fragt Ulrike.

«Die Diagnose», sagt Rita mit einem strahlenden Lächeln. «Im Anschluss hat ein Arzt mir eröffnet, dass kein Tumor zu sehen sei und hat die Bilder mit mir besprochen. Er hat sie mit denen von vor drei Jahren verglichen. Auf meine Fragen, ob meine Brust implodiert sei oder ich eine Kalkbrust hätte, hat er gelacht. <Den Prozess, in dem das Brustdrüsengewebe sich zurückbildet, nennt man Involution. Das ist bei Ihnen nicht der Fall.>

Mit einem Stift hat er einen schmalen Streifen nachgezogen. <Hier ist etwas Fett. Im Vergleich zu den alten Bildern ist kaum eine Veränderung zu sehen>.

Mit einem Blick auf mein Geburtsdatum meinte er, <für Ihr Alter sieht die Brust jung aus>.»

Jutta hebt ihr Glas, «gratuliere, Rita. Die Erleichterung und Freude sieht man dir an.»

Rita lächelt in die Runde, «Mädels, achtet auf euch, geht zur Vorsorge.»

Alle heben die Gläser, «auf uns, die Ü-Siebzigjährigen», sagen die Freundinnen.

© Petra Jakoby, ohne KI, 13.03.2025, artepj@web.de

Winter

Milchig die Sonne,

Salz knirscht unter der Sohle,

Hundepfote rutscht aus.

© Petra Jakoby, 05.02.2025, ohne KI, artepj@web.de

Kinder, esst Würstchen.

Bei dem monatlichen Treffen der vier Freundinnen begann Dörte, vom ersten Treffen ihrer Familie im Jahr neunzehnhundertsiebzig, zu erzählen.

Vater läutete in der Diele die Messingglocke an der Wand. Mutter rief: «Kinder, esst Würstchen, damit ihr gleich nicht so ausgehungert seid.»

Sie schwebte in einer Wolke französischen Parfüms und glänzte golden. Ihre schlanke Figur steckte in einem Strickensemble, die Handgelenke zierten ein breites Goldarmband und eine goldene Uhr, die Ringfinger goldene Ringe. Zwischen den damenhaft frisierten Locken blitzten dicke goldene Knoten an den Ohrläppchen.

Sie stellte eine silberne Servierplatte mit einem Berg Cocktailwürstchen auf den Couchtisch. Vater im perfekt sitzenden Anzug mit weißem Oberhemd und einer Krawatte, auf der Hündchen sprangen, füllte die Sektgläser. Meine drei Schwestern und ich standen wie Gäste mit Ehemännern und Partnern in dem zu kleinen Wohnzimmer. Wir aßen, tranken und bestätigten gegenseitig in wohlgesetzten Worten unser gepflegtes Aussehen und tauschten Informationen zu unserer Anreise aus. Unsere Männer zeigten ein amüsiertes Lächeln. Die Platte leerte sich, Vater klatschte in die Hände, «auf geht’s. Wir gehen in unser Stammhaus, Zum Goldenen Hirschen.»

Der Tisch war für uns eingedeckt. Die Bedienung verteilte die Speisekarten. «Kinder, bestellt, worauf ihr Appetit habt,» rief Vater vom Kopfende.

Unter dem Tisch traf mich der Fuß der jüngsten Schwester, «hast du Mutters Blick gesehen, den sie Vater zugeworfen hat?»

Ich nickte. Anekdoten und Witze wurden erzählt. Vater amüsierte sich, verriet in seinen Augen lustige Erlebnisse aus der Kindheit seiner Töchter, über die unsere Partner herzhaft lachten. Getränken, Salattellern, Suppenschüsseln folgten Schnitzel, Rouladen, Gulasch, Schüsseln mit Gemüse, Klößen und Fritten. Meine mittlere Schwester flüsterte mir quer über den Tisch zu, «siehst du, wie Mutter und unsere älteste Schwester in die Menükarte schauen?»

Vater sagte: «He meine Schönen, was tuschelt ihr? Wir wollen mitlachen.»

Die Bedienung erlöste uns von einer Antwort, sie nahm die Bestellung für den letzten Gang auf. Unsere Männer hatten noch Platz für Eiscreme und Kuchen. Meine Schwestern und ich beließen es bei Kaffee. Wieder griffen Mutter und die älteste Schwester nach den Menükarten. Ihre Gesichter wirkten konzentriert. Die Rechnung kam. Vater blätterte Geldscheine auf den Tisch. Die älteste Schwester und Mutter tauschten Notizzettel aus.

Irritiert flüsterte mein Mann, «was haben die beiden?»

Ich legte die Hand auf seine, «pssst! Später.»

Die zweitälteste Schwester rief, «ihr habt es wieder gemacht, stimmt’s?»

Die älteste Schwester lachte laut auf. Mutter lächelte gekünstelt, «Schätzchen, wovon sprichst du? Wir haben gespeist, wie alle und wir hatten einen sehr schönen Abend, oder siehst du das anders?»

Wir redeten gleichzeitig, keiner verstand ein Wort.

«Ruhe jetzt», rief Vater, «Liebchen und meine Älteste, schiebt eure Notizen neben die Rechnung.»

Atemlose Stille entstand. Vater ergriff die Hände von Mutter und der ältesten Schwester, schaute in die Runde, pausierte, sprach, «die Zahlen auf den Zettelchen stimmen mit dem Rechnungsbetrag überein.»

Ulrike, Jutta und Rita klatschten Dörte, die die Geschichte erzählte, Beifall.

«Haben sie von allen bestellten Speisen und Getränken die Preise nachgeschaut und im Kopf addiert?», fragte Jutta.

Dörte stellte ihr Weinglas ab. «Ja, meine älteste Schwester hat das Talent von Mutter geerbt.»

«Wahnsinn», sagte Ulrike, «wie haben sie das gemacht?»

Dörte erklärte, «sie haben sich die bestellten Getränke und Speisen gemerkt. Die Preise haben sie nach jedem Gang in der Speisekarte nachgeschaut, addiert und in einer Schublade, einem Regalfach oder einem anderen Möbelstück in ihren Wohnungen abgelegt. Zum Schluss sind sie durch ihre Zimmer geschlendert, haben Schubladen und Schränke und Fächer geöffnet und die dort abgelegten Teilbeträge addiert.»

«Ich glaube, das ist die Loci-Methode, die ein Grieche, ein paar Hundert Jahre vor Christus entwickelt hat», sagte Rita.

© Petra Jakoby, 21.01.2025, ohne KI, artepj@web.de

Zwischen den Jahren

Zwischen den Jahren liegen die Raunächte.

Der Mondkalender endet am 24./25. Dezember und der Sonnenkalender beginnt am 5./6. Januar. Die Lücke dazwischen beträgt 11 Tage oder 12 Nächte. Das sind die Raunächte. Das Wetter in dieser Zeit ist oft rau, kalt und dunkel. Mythen entwickelten sich, Brauchtum wurde zelebriert.

Papst Gregor XIII hat im Jahr 1582 den gregorianischen Kalender zur einheitlichen Messung der Zeit eingeführt. Einmalig folgte auf Donnerstag, 4. Oktober Freitag, 15. Oktober.

Siehe ( en.wikipedia.org/wiki/Gregorianischerkalender#gregorianischer Kalender mit Bearbeitungsstand 25.12.2024)

In den folgenden Jahren wurde in den meisten Ländern der Welt die Zeit nach dem gregorianischen Kalender gemessen.

In der heutigen Zeit schauen Menschen an den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr auf die Ereignisse in ihrem Leben, der Welt zurück. Sie schließen ab, was vergangen ist, und blicken mit neuen Hoffnungen und Vorsätzen voraus auf das kommende Jahr.

© Petra Jakoby, 27.12.2024, ohne KI, artepj@web.de

Nebel – Mist

Reiher nähern sich an.

Foto: Windmühle im Nebel
Foto: 2 Reiher nähern sich

Weihnachtsgeschenke

«Wir müssen Ihr Fahrzeug leider stilllegen, Frau Hostling. Es tut uns sehr leid», sagt der Mitarbeiter ihrer Autofirma. «Ich habe extra nochmals beim Werkmeister nachgefragt.»

«Was heißt das?», fragt sie.

«Ihr Auto darf das Firmengelände erst verlassen, wenn das fehlerhafte Betriebsteil aus dem Rückruf ausgetauscht ist. Es ist seit Monaten bestellt. Sie erhalten ein Ersatzfahrzeug. Es entstehen Ihnen keine Kosten.» Der Mann lächelt verbindlich.

«Bei der Terminierung für den Ölwechsel habe ich extra nachgefragt, ob ich auf das Auto warten kann, was von der Dame am Telefon bestätigt wurde. Sind Sie so gut und schauen nochmal in Ihrem Computer nach?  Vielleicht haben Sie einen Zahlendreher beim Kennzeichen gemacht oder es gibt noch eine Person, die so heißt wie ich.»

«Selbstverständlich ist der Ölwechsel ein Wartetermin. Aber bei Ihrem Fahrzeug muss noch ein Teil ausgetauscht werden, dafür muss der Motor kalt sein. Sie können das Fahrzeug auf eigene Verantwortung mitnehmen. Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass die Versicherung und die Firma bei einem Schaden nicht haften.»

In Margots Ohren pulsiert das Blut. Sie denkt an die brennenden Autos, von denen sie gelesen hat. «Seit einem Jahr, frage ich regelmäßig nach, wann das Teil endlich da ist. Jedes Mal wurde mir versichert, es sei bestellt und es bestehe keine Gefahr, den Wagen zu fahren. Nun nehmen Sie mir das Auto weg. In zwei Tagen werde ich zum Familientreffen im Schwarzwald erwartet. Ich habe den Kofferraum voller Weihnachtsgeschenke für meine Urenkel, Enkel und Kinder.» Margot legt die Umhängetasche auf den Tresen, umfasst mit beiden Händen die Kante, bläst in die Stirnhaare.

«Möchten Sie sich setzen? Brauchen Sie ein Glas Wasser?» Sein Gesichtsausdruck ist mitfühlend. Margot schluckt das Schimpfwort, das ihr in den Sinn kommt, herunter, «es geht wieder.»

«Sobald das Austauschteil eintrifft, wird Ihr Fahrzeug mit höchster Priorität repariert. Bis dahin steht Ihnen der Ersatzwagen zur Verfügung.» Sein höfliches Lächeln und die Wiederholung der Sachlage reizen sie, «warum wurde mir das nicht am Telefon gesagt, wenn es in Ihrem Computer steht?» Sie presst die Lippen aufeinander, gibt sich einen Ruck, erwartet keine Antwort, «wo steht das Auto?»

Margot unterschreibt den Mietvertrag für einen Kleinwagen. Der Agent der Vermietungsfirma händigt ihr den Schlüssel aus, «es ist der Weiße vor dem Eingang.»

Sie steigt in den Wagen, schiebt den Sitz näher an das Lenkrad, tritt die Kupplung, lässt den Motor an, «was ist das denn», ruft sie und wendet sich zur Mittelkonsole. «Wo ist der Schaltknüppel, um den Gang einzulegen? Nur zwei Pedale?»

Sie eilt zum Schalter der Agentur. «Das ist ein Fahrzeug mit Automatik. Seit sechzig Jahren fahre ich Getriebe. Ich kann keine Automatik bedienen.»

«Das ist ganz einfach. Ich weise sie ein. Am besten stellen Sie sich vor, dass Ihr linkes Bein amputiert ist.», sagt der Agent und schiebt sich auf den Beifahrersitz.

«Was? Nein! Ich will mir keine Amputation vorstellen. Ich habe mit zwei Beinen die Achtziger erreicht. Das soll auch so bis zum Ende meines Lebens bleiben.»

 «Entschuldigen Sie Frau Hostling, ich wollte sagen, dass Sie die beiden Pedale im Auto nur mit dem rechten Bein drücken.» Er erklärt die Schaltung und Handbremse. «Wir fahren zusammen über den Parkplatz.»

Sie legt den Gang ein, nimmt den Fuß von der Bremse, «das Auto rollt einfach los,» ruft sie und tritt hart auf das Bremspedal. Der Mann stützt die Arme gegen das Armaturenbrett. «Entschuldigung», sagt sie.

«Nicht bremsen.»

«Junger Mann, ich will nicht ins Schaufenster fahren.» Sie lenkt den Wagen vorbei. Der linke Fuß tastet im Fußbereich nach dem Pedal, die Hand schwebt über der Mittelkonsole, sucht den Schaltknüppel, um in den höheren Gang zu schalten. Vergeblich. Sie drückt das Bremspedal durch. Der Mann hängt im Sicherheitsgurt. «Lassen Sie den linken Fuß seitlich ruhen. So jetzt fahren wir eine Runde über den Betriebshof. Sie werden sehen, wenn wir wieder vor dem Eingang stehen, können Sie es.»

Margot hüpft mit ihm und dem Wagen über das Werksgelände zurück zum Eingang.

«Klappt doch schon ganz gut», sagt der Agent und wirft die Autotür zu. Seine Stimme klingt etwas zu dünn. «So geht das nicht. Ich brauche ein Auto mit Gangschaltung. Haben Sie nicht in irgendeiner Ecke noch so ein Fahrzeug stehen?», sagt sie. Sie schwitzt, ihre Hände zittern, in ihren Ohren rauscht das Blut.

Der Mann schüttelt den Kopf und macht ein betretenes Gesicht. «Haben Sie keine Kinder oder Enkel, die mit Ihnen mal durch die Stadt fahren, bis Sie sich eingewöhnt haben?»

«Hier nicht, im Schwarzwald, wo ich an Weihnachten meine Familie treffen will.»

Der Mann, der ihren Wagen beschlagnahmt hat, tritt zu ihnen.

«Ich brauche eine Fahrstunde. Sonst schaffe ich den Weg zu meiner Wohnung nicht lebend.», sagt sie entschieden. «Können Sie mir eine Fahrschule vermitteln?»

«Jetzt? Heute? Ausgeschlossen! Die Fahrschulen sind über Wochen im Voraus ausgebucht.»

«Habt ihr einen Auszubildenden, der mit Frau Hosting einige Runden drehen kann?», fragt der Agent.

«Die haben ja gerade erst den Führerschein gemacht», erwidert der andere.

Ratlos stehen sie zusammen, bis sich das Gesicht des Autovermieters klärt, «ich habe eine Idee mit einer klitzekleinen Chance. Soll ich die probieren?»

«Jede Idee ist mir recht. Im Stadtverkehr kann ich nicht lange überlegen, was ich mit welchem Fuß mache und auf der Konsole nachschauen, wo ich den kleinen Hebel hinschieben muss.»

Der Agent telefoniert in einer Sprache, die sie noch nie gehört hat. Als er sich Margot zuwendet, reicht er ihr das Telefon, «da ist ein Fahrlehrer, der Sie heute unterrichten kann.»

«Gut. Dann treffen wir uns in drei Stunden hier», sagt sie nach einigen Sätzen in das Telefon.

«Wir fahren vom Betriebsgelände», sagt der Fahrlehrer.

«Was in den Straßenverkehr? Das kann ich nicht. Ich bin sechzig Jahre Getriebe gefahren. Die Bewegungen gehören zu meinem Körper.» Sie hört die Verzweiflung in ihrer Stimme. Hoffentlich fange ich nicht an zu weinen. Er könnte mein Enkel sein.

«Ich habe alles unter Kontrolle. Auf geht’s», sagt er.

Der Mann ist Fahrlehrer, der wird wissen, was er macht. Margot folgt seinen Anweisungen. «Bremsen Sie hier, nun schieben Sie den Hebel auf rückwärts. Dann nehmen sie den Fuß von der Bremse.»

«Was, hier auf dieser steilen Abfahrt? Dann rollt der Wagen.»

«Machen Sie das mal», sagt er.

«Oh, er steht.»

«Jetzt geben Sie ein bisschen Gas.» Langsam fährt der Wagen rückwärts.

Er lässt sie an der gleichen Stelle erfahren, was passiert, wenn sie den Hebel auf vorwärts schiebt. Mit höchster Konzentration folgt Margot seinen Instruktionen. Die rechte Hand löst sich vom Lenkrad, nähert sich der Mittelkonsole. Eilig führt sie die Hand zurück an das Lenkrad.

«Sie haben rechtzeitig abgebrochen. Das haben Sie gelernt.», sagt er. Seine Zuversicht vermittelt ihr Sicherheit.

«Jetzt fahren wir Landstraße und Sie fahren nur so schnell, wie Sie den Wagen kontrollieren können.»

Margot fährt umsichtig in die Kurven, reduziert und beschleunigt die Geschwindigkeit. Anerkennend bemerkt er, dass sie routiniert in den Rückspiegel schaut, bei einer unübersichtlichen Einfahrt, den Oberkörper etwas dreht und sich mit einem Blick über die Schulter versichert, dass sie einfahren kann.

«Ich bin als Kind mit meiner Familie nach Deutschland gekommen. Die Fahrschule ist seit Jahrzehnten in Familienbesitz. Ich bilde Fahrlehrer aus. Reisen Sie?», fragt er.

Margot lehnt den Rücken in das Polster. Sie fährt die zugelassene Höchstgeschwindigkeit. «Als wir jung waren, haben mein Mann und ich Nordafrika, Mittelmeerländer und karibische Inseln besucht.»

 «Das waren damals Abenteuerreisen, es gab kein Internet und keine Reiseagenturen, die bis ins Kleinste die Reise vorbereitet haben», sagt er mit anerkennender Stimme. «Wie fühlen Sie sich?»

«Weihnachten kann kommen. Ich fahre in den Schwarzwald. Was meinen Sie?»

«Ich bin sehr zufrieden. Die mentale Leistung, die Sie erbracht haben, ist bewundernswert.»

Margot ist erleichtert, das Fahren macht ihr Spaß. «Wo geht es jetzt hin?» 

«Zurück, zu meinem Auto.» Er räuspert sich, «Sie müssen ein guter Mensch sein.»

»Wieso?» Margot hat den Blick auf die Straße gerichtet, bemerkt, dass er ihr Gesicht forschend anschaut. «Nur weil mein Auto heute repariert wird, hatte ich Zeit für Sie. Das ist ein glücklicher Zufall, dass wir uns heute begegnet sind.»

Margot lacht, «mein Mann und ich haben geholfen, wenn wir helfen konnten. Wir durften erfahren, dass alles, was wir geben, in irgendeiner Form zu uns zurückkommt.»

«Hm.» Er schweigt. Dann sagt er nachdenklich, »was ich heute von Ihnen gelernt habe, fließt auf jeden Fall in die Ausbildung der zukünftigen Fahrlehrer ein.»

Margot strahlt, der Fahrlehrer schüttelt ihr die Hand. «Schöne Feiertage und ein gutes neues Jahr.»    

© Petra Jakoby, 23.12.2024, ohne KI, artepj@web.de

Allen, die diesen Blog besuchen, wünsche ich erholsame Tage im Kreis lieber Menschen und ein gutes neues Jahr.