Herbst ist …

Foto von einem wei

Herbst ist,

wenn der Ginkgo Baum seine Blätter wie goldene Münzen zu Boden segeln lässt.  

Ginkgo Nüsse, die Samen der weiblichen Bäume, hängen in Trauben am Zweig, bevor sie nach einem Kälteeinbruch ihre goldene Farbe annehmen und der Baum sie abwirft.   Zwischen den Blättern am Fuß des Baumstammes wollen sie gefunden werden, bevor sie verderben und den Geruch ranziger Butter verströmen.

Geschmacklich stehen die Nüsse Maronen nahe, bereichern in der japanischen Küche gebraten Salate und Gemüsegerichte.

Heilwirkung wird ihnen in der chinesischen traditionellen Medizin bei verschiedenen Erkrankungen zugeschrieben.

© Petra Jakoby, 07.11.2024, ohne KI, artepj@web.de

NaNoWriMo 2024 – Erinnerung an Dr. Julia K. Stein

Heute ist der 2. Tag im November 2024, dem Monat, in dem weltweit Tausende in dreißig Tagen einen Roman schreiben.

Leider steht Julia K. Stein, Literaturwissenschaftlerin, promovierte Philosophin, erfolgreiche Autorin, Lektorin, Übersetzerin und Beraterin, in diesem NaNoWriMo und allen folgenden Jahren den Schreibenden mit ihrer Expertise nicht mehr zur Seite. Ihre Ratsuchenden können die Freude über Erfolge nicht mehr mit Julia teilen.

Im November 2023 ist mit Julias Begleitung der Rohling mit dem Arbeitstitel, «Was wäre, wenn…« in ihrem Schreibcamp entstanden. Als ich Julia die Idee zu dem Manuskript vorstellte, schwankte ich, ob ich mich mit der Thematik über zweihundert und mehr Seiten auseinandersetzen wollte, das Durchhaltevermögen für zehn und mehr Überarbeitungsrunden aufbringen würde. Ihre Einschätzung hat mich bestärkt, meine Zweifel zu überwinden und das Thema in einem Roman zu verarbeiten.
Von Trauer und Dank begleitet habe ich vergangenen Monat mit der ersten Überarbeitung des Rohlings angefangen. Viele weitere Runden werden folgen, in denen ich die Charaktere vertiefe, Textpassagen kürze, Sätze umformuliere, nach Worten und Bildern suche, den Feinschliff abschließe, den letzten Punkt setze und die Endfassung speichere. Erst dann bin ich bereit, zuzulassen, dass es gelesen wird.

(c) Petra Jakoby, 02.11.2024, ohne KI, artepj@web.de

Ausschnitt aus dem unveröffentlichten Romanmanuskript, „Tek ker, take care“, 31.05.2024

An den wenigen Tagen nach ihrer Ankunft im Februar 1992 in Kingston, Jamaika lernte sie, dass Europa weit entfernt war, und ihr Plan nicht aufging.

Sie lieh einen Mietwagen und fuhr nach Mandeville, einer Stadt, die auf sechs Hundert Metern im Landesinneren liegt. Erschöpft kam sie in der Pension an, in der sie übernachten wollte. Die Wirtin lud sie zum Essen mit ihrer Familie ein.

… »Wie war die erste Fahrt im Linksverkehr?«, fragte Pa. Alle Augen waren auf sie gerichtet.

»Das Steuer sitzt auf der Beifahrerseite. Für die Richtungsanzeige habe ich wie zu Hause den Blinker gedrückt, da ist der Scheibenwischer über die sandige Scheibe gekratzt. Ich habe ab und zu in die Gegend geguckt, dabei bin ich im Verkehrskreisel in den Gegenverkehr geraten. Ein Fahrer hat so blöd reagiert, dass ich ihm zugerufen habe, <da sitzt kein Henker am Lenker>.«

Die Familie prustete, gluckste, lachte aus vollem Hals. »Ich krieg mich nicht mehr ein, sagte Pa. Das nenne ich schlagfertig.«

»Was hat der andere gesagt?«

»Er hat sein Fahrzeug mit einer Vollbremsung angehalten und gerufen, <der war richtig gut. Hast du noch so einen auf Lager? Dafür drehe ich eine Extrarunde>. Sein Auto hat geschaukelt, so hat er gelacht.«

»Darauf trinken wir einen. Wo ist der Appleton?«, fragte Clive…

© Petra Jakoby, ohne KI, 28.10.2024, artepj@web.de

Auszug aus dem unveröffentlichten Manuskript „Lava und Glücksgefühle“ von 2022

Die Szene spielt in einer Bar in einem Dorf auf der Insel El Hierro. Freya und Rudolf verbringen dort Urlaubstage.

„Zwei Jungen stürmten durch den Gastraum und wurden von dem Wirtepaar in ausgebreiteten Armen aufgefangen und geküsst. Ein munterer Wortwechsel entspann sich. Eine verhärmt aussehende Frau und ein Mann folgten den Kindern. Auch sie wurden wie Familienmitglieder begrüßt. Die Buben zeigten der Frau Flaschen mit quittengelber Limonade. Ein liebevolles Lächeln erschien in ihrem Gesicht. Die Frau zündete sich eine Zigarette an, behielt sie zwischen den Lippen, ohne den Rauch zu inhalieren. Wie die Finger einer Pianistin spielte sie die Tasten des Glücksautomaten. Ihre gesamte Aufmerksamkeit war auf die Anzeigen auf dem Spielfeld gerichtet, den leuchtenden Signalen und piependen Tönen. Ohne zu zögern, drückten die Finger Knöpfe. Der Vater der Jungen stellte ein Glas Café Nero auf dem Wandbord neben dem Automaten ab. Eine Melodie erklang, das Display zeigte in fetten Ziffern die Zahl Fünfzig. Im Stakkato presste sie eine Taste, spielte weiter. In unregelmäßiger Folge blitzten verschiedene Lampen grell auf, begleitet von einzelnen Tönen, denen eine Melodie folgte. Neunzig Euro zeigte das Display an. Die anderen Gäste erhoben sich von ihren Stühlen, richteten den Blick auf das Gerät. Das Rattern, mit dem die Maschine Münzen ausspuckte, schien endlos. Die Frau drückte den Stummel der, zwischen ihren Lippen heruntergebrannten, Zigarette im Aschenbecher aus. Ihre Augen leuchteten. Keiner der Gäste sprach, die Kinder standen wie eingefroren auf der Stelle.

Freya wendete sich Rudolf zu, „das ist gespenstig, wie die Zuschauer sich verhalten. Keiner gratuliert, keiner spricht sie an.“

„Sie haben innerlich mit gefiebert. Wie du.“

„Stimmt, ich war gebannt. Der Wirt singt nicht mehr.“

Freya konnte ihren Blick nicht von der Frau abwenden, die das Glas mit dem erkalteten Kaffee in einem Zug leerte.“

 ©Petra Jakoby, 04.10.2024, ohne KI, artepj@web.de

Das Souvenir

Andre rieb mit einem Zipfel seines Arbeitshemdes über das zerkratzte und zersprungene Glas. »Du musst es aus dem Rahmen lösen, sonst erkennst du nichts«, sagte er zu Tilda und reichte ihr das Bild.

Tilda schob die Spitze des Messers zwischen Rahmen und Glas. »Es ist voller Stockflecken und Wasserränder. Ein Hochzeitsfoto. Das Hochzeitsdatum und die Namen des Brautpaares sind nicht notiert. Was ist auf dem anderen?«

Der Rahmen zerbarst bei seinem Versuch, das Glas zu säubern. Geschickt fing er es auf, bevor es auf dem Boden zerschmetterte. »Ein Gruppenfoto mit Männern. Kein Datum, keine Namen auf der Rückseite. Keiner lacht.« Er reichte ihr die Fotos. »Wo hast du den Stock her?«

»Er lag hinter den Bildern im Keller«, sagte Tilda.

»Unter dem jahrzehntealten Kellerstaub scheint eine Gravur zu sein.« Er richtete den Wasserstrahl des Gartenschlauchs auf den Stock. »Ein Wanderstock, geschnitzt. Ich lese Leningrad 1943, schau mal, das ist spiralförmigaus dem schwarzen Holz gekerbt.«

Tilda nahm den Stock »da, ein misslungenes Kreuz oder ein zerstörtes Hakenkreuz über dem Ornament aus kurzen Strichen. Das Muster ist ebenfalls wie eine Spirale bis an das Ende des Stocks geschnitzt.«

»Haben die beiden geheiratet, kurz bevor der Bräutigam seinen Kriegsdienst antreten musste? Beide schauen mit traurigen Gesichtern in die Kamera«, sagte Tilda.

»Du meinst, er wurde eingezogen, um in Leningrad zu kämpfen?« Andre zeigte auf das Gruppenfoto. »Es sind Franzosen. Sie haben weiße Arbeitsjacken und weiße Hosen an. Piloten, die Dienstgrade sieht man an der Anzahl der Marken auf den schwarzen Barretts, keine Offiziere. Sie trugen Schirmmützen.«

»Ich habe gegoogelt«, sagte Tilda, »Hitlers Soldaten haben Leningrad ab September 1941 bombardiert und belagert. Hitler wollte drei Millionen Einwohner und eine halbe Million Soldaten der Roten Armee, die die Stadt verteidigen sollten, aushungern und Leningrad auslöschen. Neunhundert Tage dauerte die Belagerung. Mich fröstelt bei der Vorstellung, obwohl wir Hochsommer haben«, sagte sie und zeigte auf die hochstehenden Haare auf ihren Armen. »Die Rote Armee hat mit Unterstützung der Bevölkerung bis zu ihrer Befreiung im Januar 1944 erfolgreich Widerstand geleistet. Ich verstehe nicht, was die französischen Piloten da gemacht haben«, sagte sie.

Andre schaute auf und zeigte auf sein Smartphone, »ich habe auch gegoogelt. Hier heißt es in einem Artikel, dass General De Gaulle Kampfflieger in die Sowjetunion entsandt hat, um die sowjetischen Soldaten bei der Befreiung Leningrads zu unterstützen.«

Tilda nahm das Foto in die Hand. »Einige haben Spielkarten, andere Gitarren und einer zieht ein Akkordeon auseinander. Der Mann, hinter dem Tisch, hält einen Besen und ein Kehrblech wie eine Trophäe in der erhobenen Hand. Im Hintergrund erkenne ich zwei Stockbetten und einen Spint.«

Andre schaute über ihre Schulter auf das Foto. »Die Champagnerflasche, die könnten sie aus dem Abfalleimer der Offiziersmesse gefischt haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das Luxusgetränk aus den Steinkrügen vor ihnen getrunken haben. Die Szene sollte sicher den Angehörigen zeigen, dass sie in ihrer freien Zeit Spaß hatten, aber die finsteren Blicke sprechen eine andere Sprache.«

Tilda griff nach dem Stock, »wie passt der zu den Fotos? Ein Franzose, mit einem Wanderstock, in den ein Hakenkreuz geschnitzt ist, ist ins Saarland heimgekehrt?«

»Auguste, meine Oma, hat von der Zeit gesprochen, in der das Saargebiet nach dem 1. Weltkrieg von einer internationalen Regierungskommission des Völkerbundes verwaltet wurde. Ein Franzose und ein Saarländer gehörten der Kommission an. Das Sagen hatten aber die Franzosen, die sich auch die Gruben unter den Nagel gerissen haben, wie Oma das auf Familienfeiern zum Besten gab. Dabei hat sie ein Samtbeutelchen mit Saarfranken rundgehen lassen. Die Münzen haben wir jedes Jahr aufs Neue bestaunt.«

»Schade, dass ich sie nicht mehr kennengelernt habe. Ich hätte die Erzählungen gerne gehört«, sagte Tilda.

Andre schmunzelte, »Oma schüttelte missbilligend den Kopf und sagte, [vor dem Krieg hatten wir die Butter auf der Fensterbank und nach dem Krieg die Margarine im Kühlschrank.] Sie hatte noch mehr Sprüche, die fallen mir aber im Moment nicht ein.«

Tilda war in Norddeutschland aufgewachsen. Sie hatten sich im Studium an der Uni kennengelernt. Fragend schaute sie ihn an. »Wollten die Saarländer zurück nach Deutschland?«

»Oma Auguste erzählte, dass die Nationalsozialisten vor der Abstimmung 1935 eine harte Meinungspolitik betrieben hätten. Anders Denkende seien von den Rückgliederungsbefürwortern diffamiert und unterdrückt worden. [Die Mehrheit wollte heim ins Reich].«

»Kam der Stock nach dem Krieg als Souvenir ins Saarland?«, fragte Tilda.

»Könnte sein«, sagte Andre.

© Petra Jakoby, ohne KI, 25.08.2024, artepj@web.de

Quelle: Internet gefunden 03.08.2024

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/kriegsverlauf/belagerung-von-leningrad.html

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/kriegsverlauf/belagerung-von-leningrad.html

https://chemindememoire.gouv.fr./de/normandie-njemen-fran…

https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article..

https://www.saarland.de/stk/DE/portale/65-jahre-saarland/hintergrund/landesgeschichte – –

Wer ist der Schönste im Land?

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Schönste im ganzen Land? Ich, auch ohne meine Wolle bin ich elegant. Nein, ich mit der ausgewogenen Farbzusammenstellung meines Federschmuckes. Welch ein Glück, dass die Schönheit im Auge der Betrachtenden liegt.

(c) Petra Jakoby, ohne KI, artepj@web.de, 16.08.2024

Sandsturm – aus dem Reisetagebuch Marokko 2004

»Willst du so ausgehen? Wir sind tief im Süden«, hatte A. gefragt und mich mit einem Blick voller Zweifel angeschaut.

 »Alles an mir ist bedeckt. Na ja, Kopf, Arme und Beine sind nackt«, sagte ich. Sein Gesichtsausdruck hätte mich bewegen können, die Bekleidung zu überdenken. Ich dachte nicht daran. In Tiznit waren es zweiundvierzig Grad gewesen. Mit Ausnahme der Hände war mein Körper dort vollständig bekleidet, das Gesicht durch den Sonnenhut beschattet. Ich sehnte mich, Luft an die Haut zu lassen, den Geruch des Meeres zu atmen. Wir waren nach Aglou gefahren, wo wir vor fünfundzwanzig Jahren Urlaubstage auf einem Berber Bauernhof verbracht hatten.

Der Himmel hatte eine Färbung, die ich nicht kannte. Er war gelblich bis orange. Wir hörten die Flutwellen gegen den Strand branden, ohne dass wir das Meer sahen. Es lag eine Energie in der Luft, die mich in Unruhe versetzte. Ich wollte raus aus dem Haus.

»Lass uns über die Terrasse gehen, dann sind wir direkt am Strand«, sagte ich und eilte voraus.

Auf der Terrasse kniffen wir die Augen im Zwielicht zusammen, verbargen sie hinter den Sonnenbrillen. Die vom Wind aufgewirbelten Sandkörner trafen uns überall. Sie hafteten auf der mit Sonnenschutzmittel eingecremten Haut, klebten auf den Lippen, knirschten zwischen den Zähnen. Ich senkte den Oberkörper, um dem Wind weniger Fläche zu bieten. Der rötliche Sand in der Luft ließ geschätzt fünf Meter Sicht zu. Wind und Wellen betäubten die Ohren, das Meer war greifbar nahe. Der Sandsturm, der in der Nacht eingesetzt hatte, tobte. Wie eine Staubschicht hatte er sich im Zimmer auf Gepäck, Kleidung und Möbel ausgebreitet.

Eine seltsame Stimmung von Endzeit erfasste mich. Keine Möwe kreischte. Kein Mensch schien am Strand. Ich hörte nicht, was A. mir zurief. Der Wind trug seine Worte fort. Das mulmige Gefühl wurde stärker. Was war mit mir los? Niemand begibt sich grundlos in einen Sandsturm, oder? Was, wenn ich A. hier verliere? Ich ergriff seine Hand. Urplötzlich, wie aus dem Nichts, lief ein Mann neben mir, überholte uns, verlangsamte sein Schritttempo, wartete, bis wir ihn überholten, lief erneut vor uns, bis er außer Sicht war.

»Was soll das? Überfällt er uns, raubt uns aus?«, schrie ich.

»Das glaube ich nicht.«

Umrisse von Steinbrocken zeichneten sich ab. Nach wenigen Schritten sahen wir den Mann auf einem der grauen scharfkantigen Felsen in eindeutiger Pose.

Im Reflex zog A. mich in einer Drehung zurück. Wir hasteten durch den Sand weg vom Meer. Wind und Wellen wurden leiser. Vor uns erkannten wir Säulen, den Rohbau der Promenade, die zum Hotel führte. Durch die Sandwehen schimmerten die Mosaike der Bodenkacheln. Nach ein paar Metern erreichten wir den Hoteleingang. Erleichtert schüttelte ich den Sand aus den Haaren. Die beigefarbene Hose mit den weiten Beinen, die bis über die Knie reichten, und das Trägerhemd im gleichen Farbton verbannte ich für die restlichen Urlaubstage in den Tiefen des Koffers.

© Petra Jakoby, 28.07.2024, ohne KI, artepj@web.de

Im Sommer springt man in den Teich