Die Amsel im Geäst schaut mir direkt in die Augen, sperrt den Schnabel auf und lässt ihren klagenden Schrei ertönen. Ihr Körper ist schmal. Sie ist jung, hungrig, durstig oder beides. Ich schaue mich im Park um. Die Wasserschalen, die Anlieger auf der Wiese verteilt haben, sind trocken, die Regenwürmer tief in der Erde vergraben. Ich habe kein Wasser bei mir, ihren Durst zu löschen und kein Futter, ihren Hunger zu stillen. In bedrückter Stimmung gehe ich weiter.
Wassersäcke, am Fuß junger Bäume, sollen sie vor dem Verdorren bewahren. Die Blätter der alten Kastanien sind braun, fallen ab, obwohl der Sommer nicht vorbei ist.
Die aufgeworfenen Wegränder und Wiesen im Park tragen Spuren der Wildschweine. Mühelos springen sie, über Metallabgrenzungen oder rammen Holzzäune angrenzender Vorgärten nieder. Auf der Suche nach Blumenzwiebeln, Wurzeln und Würmern verrücken sie kiloschwere Steine, buddeln Sträucher aus, reißen Blumen aus den Rabatten, werfen Mülltonnen um. Der Unrat verteilt sich über Gehwege und Straßen. Der Anblick von Menschen treibt sie nicht zur Flucht. Eltern begleiten ihre Kinder in die nahe Schule.
Die Tagestemperaturen sind bis zu 39° Celsius angestiegen. Zum ersten Mal, seit ich auf die vergangenen Sommer zurückblicke, sehne ich mich nach dem Geruch von Regen, wünsche mir Quellwolken am Himmel, der seit Wochen mittelmeerblau ist.
© Petra Jakoby, ohne KI, 31.08.2025, artep@web.de
