dem Reisetagebuch Tropen 2002
A. schob die bodenlangen Vorhänge vor den Glaswänden beiseite. «Die Schlösser der beiden Schiebetüren lassen sich mit einem kräftigen Ruck öffnen.»
«Komm, guck dir mal das Bad an. Da ist ein Pool in den Boden eingelassen, da können mindestens sechs Leute gleichzeitig baden», rief ich aufgeregt, «und die Küche hat alles, was wir brauchen.»
«Das Haus liegt abseits, am Rand des Parks auf einer Klippe.»
«Wie toll, da haben wir es nicht weit zum Schwimmen.»
«Bist du Klippenspringerin?»
«Im Freibad bin ich schon vom Zehnmeterbrett gesprungen», sagte ich.
«War das nicht, als du den Freischwimmerschein erworben hast? So mit zehn Jahren? Ich bin auf dem Bauch an den Rand der Klippe gerobbt. Die Brandung schlägt locker dreißig Meter tiefer gegen den Felsen.»
Ich umarmte A. «Lass uns die Ruhe in diesem tropischen Park mit seinen überbordenden Hibiskus Blüten und riesenhaften Bäumen genießen. Wir werden den Fußweg zur Badebucht entdecken und dann lassen wir uns von den Wellen schaukeln.» A. küsste mich zärtlich. Wir saßen auf der Terrasse, vergaßen den Staub und Lärm der Stadt. Von weiter Ferne drangen vereinzelt tiefe Bässe von einem Open-Air-Konzert an unsere Ohren. Die Gläser, die A. mit dem einheimischen Bier füllte, beschlugen augenblicklich. Die Hitze des Tages hatte noch nicht nachgelassen. Wir schwitzten, kein Windzug brachte Abkühlung. Die Dämmerung setzte früh ein. Kaum wahrnehmbare Schatten flogen mit kurzen Richtungswechseln über unsere Köpfe, begleitet von schrillen Rufen, Schnattern und Brummen. Die Haare auf meinen Armen standen, mich fröstelte. «Hörst du das? Was ist das?»
«Flughunde, etwas größer als Fledermäuse. Sie wachen in der Dämmerung auf, verlassen ihre Schlafplätze in den Baumkronen und suchen Futter.» Erschreckt hielt ich die Hand vor den Mund.
«Hey, die sind harmlos, sie ernähren sich vegetarisch.»
Wenige Minuten später war die Dämmerung in tiefschwarze Nacht übergegangen. Die Kerze auf unserem Tisch beleuchtete nur die Sitzgruppe. Die Umgebung um das Haus lag in undurchdringlicher Dunkelheit. Ich lauschte und horchte. Nichts, selbst die Flughunde hatten ihre Rufe eingestellt und einen Platz zum Abhängen gefunden. «Ich bin müde. Lass uns schlafen gehen.» Das Gefühl, dass da eine dritte Person war, verstärkte sich im Bad. Rasch putzte ich die Zähne und wusch mich. Als ich das Bad verließ, stand ich im Dunklen. Ich schrie, «das Licht ist aus.»
«Das war ich», sagte A. «ich dachte, du seist bereits im Bett.»
Wenige Minuten später hörte ich die tiefen Atemzüge von A. In meinem Kopf ging es drunter und drüber zu. Reife Mangos platzten beim Aufprall auf dem Dach auf. Die Wellen klatschten gegen den Felsen. Irgendwann musste der Schlaf mich übermannt haben.
Von einem durchdringenden Schrei wachte ich auf. A. sprang neben mir aus dem Bett, rannte aus dem Zimmer. «Was ist los? Hast du geträumt?» Im Wohnzimmer leuchtete er mit der Taschenlampe auf den offenen Spalt in der Glaswand, die Schiebetür stand offen. «Er ist weg. Er stand genau neben deinem Bett.»
«Wer», fragte ich verschlafen.
«Ein Mann.» A. zeigte auf die Geldbörse auf dem Tisch. «Er hat alle Scheine genommen.»
Ich hatte Pudding in den Beinen und einen leeren Kopf. Unfähig mich zu rühren, und eine Entscheidung zu treffen, stand ich im Raum.
«Zieh dich an, nimm deine Taschenlampe. Wir gehen zum Büro am Eingang des Parks.»
«Was, durch die Dunkelheit, wo hinter jedem Baum jemand stehen kann, um uns zu überfallen?»
«Wir wurden bereits überfallen. Hast du eine bessere Idee? Willst du mit dem Laken über deinem Kopf die Nacht verbringen?»
Im Schein unserer Taschenlampen eilten wir durch die Nacht. Ich presste As. Hand, wagte nicht, den Blick schweifen zu lassen. Von Weitem leuchtete ein Lichtschein aus dem Büro am Eingang des Parks. Der Mann, der uns empfing, trug schwarze Sportkleidung. Seine Zähne waren das einzig Helle an ihm. «Wie sah der Mann aus», fragte er.
«Er war schwarz und schwarz gekleidet. Er hat neben meiner Frau am Bett gestanden. Er hat alle Scheine aus der Geldbörse genommen.»
«Jah, mahn, kuhl mahn. Morgen kannst du das meinem Chef erzählen.»
«Nein, jetzt, ruf ihn an, ich will jetzt mit ihm reden.»
«Kuhl mahn, es ist mitten in der Nacht, alle Schlafen.»
Nach einigem Hin- und Her mit A. wählte er unwillig eine Nummer, redete in schnell gesprochenem Patois. A. streckte die Hand aus, nahm den Telefonhörer an sich und erzählte, was passiert war. Der Sicherheitschef veranlasste, dass der Mann aus dem Büro zu unserem Schutz die Nacht in der Krone des Mangobaums verbringen sollte. Auf dem Rückweg zum Haus hörten wir den Sand hinter uns knirschen. Tief beunruhigt wechselten wir uns mit den Schlafphasen ab. Die Morgendämmerung hatte noch nicht eingesetzt, da hörten wir heftiges Klopfen an der Glastür. Im Schein der Außenlaterne stellte sich ein Mann als der Sicherheitschef vor, mit dem A. in der Nacht telefoniert hatte. Erneut fragte, er was passiert war, und bat um eine Personenbeschreibung. Er zog eine Geldrolle aus der Hemdentasche und zählte die fehlenden Scheine ab. «Bitte, stellen Sie keine Anzeige bei der Direktion. In den vergangenen Wochen gab es mehrere Einbrüche.» Er griff hinter seinen Rücken und zog eine Pistole aus dem Hosenbund. «Sie sehen, ich trage eine Waffe. Ich finde die Kerle.» (c)Petra Jakoby, 02.07.2026, ohne KI, artepj@web.de
