Der lange Prozess der Entstehung eines Romans

Im vergangenen Jahr ist die Arbeit an meinen Manuskripten in den Hintergrund gerückt, weil mir die rasche Umsetzung einer Idee in einer Kurzgeschichte viel Freude bereitet hat. Das Eigenlektorat eines Romanmanuskripts fordert von mir ein hohes Maß an Geduld, Disziplin und Beharrlichkeit bis ich nach dem 10. oder 12. Überarbeitungslauf das Gefühl habe, der Roman ist fertig und ich zufrieden bin.

Meine Jahresplanung 2024 sieht vor, dass das Eigenlektorat des 3. Romanmanuskripts, Arbeitstitel Tek ker, take care, im Sommer dieses Jahres abgeschlossen wird. In der 2.Jahreshälfte plane ich den 1. Überarbeitungslauf der Rohfassung des
Manuskripts, das im November 2023 entstanden ist. Im NaNoWriMo 2024
könnte die Rohfassung einer Romanidee entstehen, die mich seit Monaten
gedanklich beschäftigt.© Petra Jakoby, ohne
KI, 22.02.2024, artepj@web.de

Pollensaison

Regentropfen Teil 2, Reisetagebuch 1993

Ein Junge kam eilig auf uns zu. Er schleifte ein ausgewachsenes Bananenblatt hinter sich her.

„Wenn du das Blatt hältst, wie ich es dir zeige, schützt es dich vor dem Regen.“

Unbeholfen stemmte ich das Blatt über meinen Kopf. Der Junge hastete neben mir, „du bist nass, du wirst dich erkälten, komm in mein Haus.“

Vor der ersten Hütte am Schotterweg schrie er Sätze in Patois. Ich hatte keine Ahnung, was er seiner Familie zurief. Aus dem Haus hörte ich Rumpeln, knirschende und schleifende Geräusche.

„Danke, vielen Dank für alles, unser Auto wartet auf uns“, rief ich. Nass glänzend sah ich das Dach des Chevy zwischen Büschen.

In den Türrahmen der Holzhütte war eine Frau getreten. Der geblümte Schal, den sie um ihren Kopf gewickelt hatte, war aus dem gleichen Stoff wie ihr Kleid. Sie lachte lauthals. Das Bananenblatt war von den Tropfen des Regens durchlöchert und ausgefranst. Meine Kleidung war bis auf die Haut durchnässt. Bei jedem Schritt schmatzte das Wasser in den Turnschuhen.

Endlich erreichten wir den Chevy. Der alte Mann, der uns gebracht hatte, saß auf dem Beifahrersitz. Wie auf der Hinfahrt trug er eine schwarze Sonnenbrille, „wenn es regnet, fährt mein Sohn“, sagte er bestens gelaunt. Ein Goldzahn blitzte. Der Wagen, überladen mit Passagieren und Obstsäcken, setzte mit dem Heck bei jedem Hubbel auf. Eingequetscht wie Sardinen in der Dose, saß ich zwischen den Männern auf der Rückbank. Unsere Atemluft, der Schweiß und die Ausdünstungen der nassen Kleidung verwandelten das Innere des Fahrzeugs in eine Sauna. Die Scheiben beschlugen, versperrten die Sicht. Fahrer und Beifahrer stießen die Scheibenwischblätter mit der Hand an. Für Sekundenbruchteile drängten sie das Wasser zur Seite, gaben den Anblick der Piste frei. Die Wassermassen überspülten den Weg, rissen verrostete Blechdosen, leere Flaschen, Kartonagen und anderen Unrat mit. Der Fluss, zu dem die Schotterpiste geworden war, verdeckte die topftiefen Schlaglöcher, denen der alte Mann auf der Hinfahrt geschickt ausgewichen war. Mit sanften Lenkbewegungen des Fahrers schlingerten wir in der Strömung den Berg hinab auf die Hauptstraße. Keiner drehte das Radio an, keiner sprach, keiner sang, keiner lachte, kein Atemgeräusch war zu hören, nur das ohrenbetäubende Trommeln der Regentropfen auf dem Dach.

Vor meiner Unterkunft schälte ich mich zwischen den Männern auf der Rückbank aus dem Fahrzeug. 

„Er ist blind auf einem Auge und nie nüchtern, deshalb fahre ich bei Regen“, sagte der Sohn.

Die Männer lachten lauthals. Es löste die Spannung. Mir war übel und meine Knie waren weich.

(c)Petra Jakoby, ohne KI, 09.03.2023, artepj@web.de

Hochsitz

Der Terrier knurrt. Lauert hinter der Gartenmauer eine Katze? Mit vorgestreckter Nase schnüffelt er am Mauerwerk. Er reckt den Hals, bellt mit voller Lautstärke, zerrt an der Leine. Die Katze springt mitten auf den Weg vor uns, schaut uns an. Possierlich setzt sie die Pfoten voreinander in unsere Richtung, duckt sich, faucht, vier nadelspitze Reißzähne zum Angriff bereit. Die Nackenhaare des Terriers sind aufgestellt. Er bellt aus Leibeskräften.

„Aus, sitz“, sage ich.

Er schaut mich an. In seinem Blick lese ich Protest. Ich will nicht, dass seine Nase zerkratzt wird, wiederhole die Aufforderung. In Zeitlupentempo setzt er sich.

„Fein.“ Ich blicke ihn zärtlich besorgt an und werfe ihm ein Leckerli zu. Das Kätzchen hat sich in angemessener Entfernung von uns beruhigt. Ich gehe weiter. Es erhebt es sich, eilt in gerader Linie auf mein rechtes Bein zu. Der Hund knurrt am anderen Bein. Ich schaue ihn warnend an. Mit klagenden Lauten setzt es seinen Weg fort. Ehe ich mich versehe, hakt es die spitzen Krallen in den Stoff der Hose, klettert das Bein herauf, weiter über die Brust, erreicht die rechte Schulter, springt und landet auf meinem Oberkopf. Der Hund knurrt unheilvoll. Abwechselnd starrt er mich und das Tier auf meinem Kopf an. Die Katze ist schwer. „Runter, runter“, sage ich.

 Das Kätzchen bewegt sich, schiebt die Krallen wie Haarnadeln in den Haarknoten, sichert seine Position. Ich ergreife eine Pfote, zerre daran. Das Tier verändert seine Lage. Ein scharfer Schmerz durchfährt mich. Augenblicklich ziehe ich die Hand zurück. Ein blutiger Striemen verläuft diagonal über dem Handrücken. Unter der Last gehe ich mit geneigtem Hals ein paar Meter langsam vorwärts, bleibe abrupt stehen, schüttele heftig den Kopf. Das Tier hängt mit den Krallen in den Haaren. Ich habe den Eindruck, dass mir die Haut vom Kopf gezogen wird. Tränen schießen mir in die Augen. Schritt für Schritt gehe ich weiter. Der Hund hat begriffen, dass ich Schmerzen habe. Ohne sich in die Leine zu legen, geht er im Gleichschritt. Ich ziehe die Schultern zu den Ohren, jeder Muskel, jede Sehne ist gespannt. Wie werde ich die Katze los? Die Nachbarschaft ist wie ausgestorben. An einer halbhohen Gartenmauer beuge ich die Knie, neige den Oberkörper zur Seite, bis das Ohr das Mauerwerk berührt. Mit beiden Händen zerre ich das Tier vom Kopf, ohne Rücksicht auf den Schmerz. Die Katze fällt neben die Mauer, richtet sich auf. Zwischen den Krallen sehe ich Strähnen meiner Haare. Tränen strömen über mir über das Gesicht. „Vorwärts, komm, nichts wie weg“, sage ich zu dem Hund. Wir schlagen die Richtung zu unserem Parkplatz ein. Der Hund schaut sich um, ich folge seinem Blick. Keine drei Meter hinter uns läuft die Katze. Wir überqueren Straßen, biegen ab, das Tier beschattet uns minutenlang. Später tritt ein Mann durch ein Gartentor und ruft, „Kitty, Kitty, komm, komm zu Papa.“

(c)Petra Jakoby, Idee und Ausführung ohne KI, 20.02.2023, artepj@web.de

Alter Mann auf dem Fahrrad